Orthopädie

Die orthopädische Untersuchung und Behandlung besteht aus verschiedenen Schritten, zu denen die Anamnese, die körperliche Untersuchung sowie ggf. weitere diagnostische Maßnahmen und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zählen. Die folgenden Ausführungen sollen Sie etwas konkreter über die in unserer Praxis durchgeführten orthopädischen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden informieren.

Erheben der Krankengeschichte (Anamnese)

Am Beginn der Behandlung steht das Gespräch mit dem Patienten. Er sollte in ausreichender Zeit und in eigenen Worten seine Beschwerden schildern. Aus der Schilderung ergeben sich für den Arzt die ersten Hinweise darauf, um welche Erkrankung es sich handeln könnte. An die Schilderung durch den Patienten schließen sich gezielte Fragen des Arztes zu Art und Dauer der Beschwerden an. Mit Hilfe dieser Anamnese lassen sich in der Regel bereits 80% der Diagnosen stellen. Anhand des Ergebnisses wird entschieden, ob und welche weiteren Untersuchungsmethoden noch notwendig sind.

Die Anamnese ist zur Stellung einer Diagnose meistens weitaus wichtiger als andere Untersuchungsmethoden.

Körperliche Untersuchung

Orthopädie | Test der vorderen Schublade
Die Abbildung zeigt den Test der vorderen Schublade. Dabei zieht der Untersucher den Unterschenkel zu sich heran. Ist das vordere Kreuzband gerissen, ist dies im Vergleich zur gesunden Seite vermehrt möglich.

Die körperliche Untersuchung des Patienten durch den Arzt wird häufig auch als klinische Untersuchung bezeichnet. Gemeint ist, dass der Arzt den Patienten durch Beobachtung (Inspektion), durch Hören, ggf. auch durch Riechen und mit seinen Händen untersucht. Dabei werden auch Instrumente, wie z.B. ein Reflexhammer zur Prüfung der Reflexe, verwendet.

Nach der Anamnese ist die körperliche Untersuchung in der Orthopädie die wichtigste Methode zur Diagnosestellung.

Die einzelnen Körperregionen und Gelenke können zum Teil sehr genau auf Erkrankungen und Funktionseinschränkungen untersucht werden. Dazu tragen auch Untersuchungstechniken bei, die bei der Ausbildung zum Manualtherapeuten vermittelt werden.

Orthopädie | Untersuchung der Halswirbelsäule
 Eine gezielte Untersuchung der Halswirbelsäule ergibt oft wichtigere Informationen über eine Erkrankung als eine Röntgenuntersuchung oder eine Kernspintomographie.

Vor allem Erkrankungen der Wirbelsäule, der Sehnen und der Muskulatur können auf Störungen der Funktion beruhen, die nur durch eine körperliche Untersuchung zu erkennen sind. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder Kernspintomographie können zwar Veränderungen von Knochen oder Gewebe erfassen, jedoch kaum Funktionsstörungen abbilden, was zur Stellung einer Diagnose jedoch von großer Bedeutung ist.

Orthopädie | Fuss gibt Hinweis auf Bandscheibenvorfall
Einfachste Untersuchungsmethoden liefern häufig viel wichtigere Informationen über eine Erkrankung als bspw. eine teure und aufwendige Kernspintomographie. Auf dieser Abbildung ist zu erkennen, dass der Patient den rechten Fuß nicht mehr anheben kann. Dies ist für die Behandlung von großer Bedeutung und gibt eine Aussage über die Folgen eines Bandscheibenvorfalls – Informationen, die mit Hilfe einer Kernspintomographie nicht gewonnen werden können.

Befragung und körperliche Untersuchung des Patienten sind Grundlage jeder Diagnosestellung. Sie bilden die Basis, auf der entschieden wird, ob und wann welche weiteren Untersuchungen notwendig sind. Die Ergebnisse bildgebender Diagnostik gewinnen erst vor dem Hintergrund der Beschwerden und der körperlichen Untersuchung eine Bedeutung. In vielen Fällen kann nicht auf sie verzichtet werden, da sie eine Fülle an Informationen über die Erkrankung liefern.

Medikamentöse Behandlung

Medikamente können in Form von Tabletten, Zäpfchen (Suppositorien), Salben, Pflastern oder Spritzen verabreicht werden. Wird die Spritze unter die Haut gesetzt, spricht man von einer subkutanen (s.c.) Injektion, bei einer Spritze in ein Gelenk von einer intraartikulären (i.a.) Injektion. Das Einspritzen in einen Muskel wird intramuskulär (i.m.) genannt, die Gabe über die Venen bezeichnet man als intravenöse (i.v.) Therapie.

Medikamentöse Behandlung
Tabletten können Beschwerden lindern und wirken zum Teil auch gezielt auf die Erkrankungen ein.

Medikamente können einem allgemeinen Behandlungsziel wie z.B. der Schmerzlinderung dienen oder sind für eine spezielle Behandlung von Erkrankungen wie z.B. der rheumatoiden Arthritis, der Gicht oder der Osteoporose geeignet.
Eine in der Orthopädie sehr häufig angewendete Behandlungsmethode ist das Spritzen (Injizieren) eines Medikaments in ein Gelenk, an Sehnen, in Muskeln oder an die Wirbelsäule. Die Verabreichung einer Spritze wird als Injektion bezeichnet. Dabei gibt es eine Fülle von Injektionsverfahren, die bei verschiedenen Erkrankungen zur Anwendung kommen.

Orthopädie | Behandlung eines Tennisellenbogens mit Injektionen
Bei der Behandlung eines sog. Tennisellenbogens mit Spritzen (Injektionen) wird an den schmerzhaften Sehnenursprung ein Gemisch aus einem örtlichen Betäubungsmittel (Lokalanästhetikum) und einem pflanzlichen Präparat oder (selten) einem Kortisonpräparat gespritzt.

In Fällen, in denen sich Flüssigkeit in einem Gelenk oder einem Schleimbeutel gebildet hat, kann diese abgesaugt werden. Dieses Absaugen wird als Punktion bezeichnet.

Orthopädie | Punktion eines Gelenkergusses
Die Abbildung zeigt, wie aus einem Gelenkerguss am Kniegelenk Flüssigkeit abgesaugt (punktiert) wird. Über die gleiche Nadel kann anschließend ein schmerz- und entzündungshemmendes Präparat gespritzt (injiziert) werden.

Minimalinvasive Verfahren

Unter minimalinvasiven Therapien werden Behandlungen mit Spritzen, Kathetern oder feinen Instrumenten (Endoskop, Sonden) verstanden, die durch die Haut erfolgen. Im Gegensatz zur (offenen) Operation erfolgt kein größerer Hautschnitt und es wird kein „offener“ Zugang zu der erkrankten Region geschaffen. Die Therapie ist für den Patienten weniger belastend als eine Operation. Bei vielen Erkrankungen der Wirbelsäule kommen minimalinvasive Verfahren zur Anwendung.

Orthopädie | Minimalinvasive Verfahren
Bei der hier gezeigten Behandlungsmethode dringt eine Spritze bis in die Nähe eines sog. Spinalnervs vor. Dieser wird durch einen Bandscheibenvorfall eingeklemmt und gereizt. Die rosa dargestellte Flüssigkeit enthält Kortison und umspült den Vorfall und den Nerv, um die schmerzhafte Entzündungsreaktion zu beruhigen.

Alle hier verwendeten Abbildungen und Teile der Inhalte stammen aus dem Buch Orthopädie für Patienten von Dr. Christoph Klein, das im Verlag Michels-Klein erschienen ist.
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