Neu-Patienten / Selbstzahler
Aufnahmestopp für gesetzlich versicherte Neupatienten
Seit Abschaffung der Neupatientenregelung zum 1. Januar 2023 nehmen wir gesetzlich versicherte Neupatientinnen und Neupatienten nur noch in Ausnahmefällen auf, beispielsweise bei einer Vermittlung durch den Hausarzt (was ab 2027 nicht mehr möglich ist).
Privatpatienten und Selbstzahler sind nicht betroffen.
Wir bedauern diese Entwicklung sehr. Sie erschwert es uns, allen Patientinnen und Patienten einen Termin anzubieten.
Was war die Neupatientenregelung und das TSVG?
Die Neupatientenregelung wurde 2019 mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) eingeführt. Ziel war es, den Zugang zu Arztterminen zu verbessern und Praxen einen Anreiz zu geben, zusätzliche Patienten aufzunehmen.
Die Behandlung von Neupatienten wurde außerhalb der üblichen Budgetierung vollständig vergütet. Gleichzeitig wurde die verpflichtende Sprechstundenzeit für gesetzlich Versicherte von 20 auf 25 Stunden pro Woche erhöht.
Die Regelung ermöglichte zusätzliche Termine und verhinderte, dass die Behandlung neuer Patienten durch die Budgetierung zum wirtschaftlichen Risiko für Praxen wird.
Die Regelung zeigte Wirkung
Die Zahl der Neupatientenfälle im ersten Quartal 2022 war so hoch wie noch nie seit Einführung der Regelung 2019.
Weiterführende Quellen: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) , Deutsches ÄrzteblattDie Folgen der Abschaffung
Die Neupatientenregelung wurde zum 1. Januar 2023 ersatzlos gestrichen. Die Verpflichtung zu 25 Stunden Sprechstundenzeit pro Woche für gesetzlich Versicherte blieb jedoch bestehen. Aus Sicht der niedergelassenen Praxen werden dadurch Einsparungen der gesetzlichen Krankenkassen auf Kosten der ambulanten Versorgung erzielt.
Weitere Maßnahmen des TSVG
Das TSVG sah außerdem eine besondere Vergütung für Patientinnen und Patienten vor, die
- in der offenen Sprechstunde,
- als Hausarztvermittlungsfall oder
- über die Terminservicestellen
behandelt wurden.
Auch auf diesem Weg wurden Millionen von Patienten zusätzlich bzw. kurzfristig in die fachärztliche Versorgung vermittelt und behandelt.
Weiterführende Quelle: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi)
Was ändert sich 2027?
2027 sind weitere gesetzliche Änderungen für die ambulante Versorgung vorgesehen.
Im Rahmen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes sollen die Leistungen wie
- kurzfristig vermittelte Termine,
- Hausarztvermittlungen und
- die offene Sprechstunde
nicht mehr in besonderer Weise vergütet werden.
Damit entfallen Anreize, die Praxen zur Bereitstellung zusätzlicher und kurzfristiger Termine außerhalb des Budgets zu bewegen.
Die Verpflichtung zu 25 Stunden Sprechstundenzeit bleibt jedoch bestehen. Der Wegfall der Vergütungen bedeutet für die Praxen einen Honorarverlust von rund 1,64 Milliarden Euro jährlich.
Weiterführende Quellen: Kassenärztliche Bundesvereinigung , Deutsches Ärzteblatt
Möglichkeit der Selbstzahlersprechstunde
Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sind freiberuflich tätig und keine Angestellten der Krankenkassen. Sie sind verpflichtet, 25 Stunden pro Woche gesetzlich Versicherte zu versorgen. In der übrigen Zeit können privatärztliche Leistungen angeboten werden.
Diese Möglichkeit steht auch gesetzlich Versicherten offen. Eine Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung erfolgt jedoch nicht.
Bitte beachten Sie: Notfälle dürfen in unserer Selbstzahlersprechstunde nicht behandelt werden.Welche Vorteile bietet die Selbstzahlersprechstunde?
Termine sind häufig früher verfügbar als in der regulären Sprechstunde und wir können uns mehr Zeit für Sie nehmen.
Als Selbstzahler können Sie zu einem späteren Zeitpunkt Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen, beispielsweise:
- Medikamente
- Physiotherapie
- weiterführende Untersuchungen, z. B. MRT
Eine Leistung kann nicht gleichzeitig als Selbstzahlerleistung und über die gesetzliche Krankenversicherung abgerechnet werden.
Ob Sie die weitere Behandlung als Selbstzahler oder in der Kassensprechstunde fortsetzen möchten, entscheiden Sie.
Welche Kosten kommen auf Sie zu?
Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ).
| Eine Erstuntersuchung kostet etwa 70 bis 80 Euro. Folgeuntersuchungen und Befundbesprechungen sind günstiger, die Kosten liegen bei etwa 30 Euro. |
Zusätzliche Leistungen wie Röntgen, Injektionen, Behandlung mit Tape oder Punktionen verursachen weitere Kosten. Darüber informieren wir Sie vor der Durchführung und Sie entscheiden, ob Sie diese Leistungen in Anspruch nehmen möchten.
In der Selbstzahlersprechstunde dürfen keine Notfälle behandelt werden.
Weiterführende Information: Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) – Bundesärztekammer
Was bedeutet das für unsere Praxis?
Die Krankenkassen sind der Meinung, dass trotz deutlich geringerer Vergütung gleiche Leistungen angeboten werden können. Wie das möglich sein soll ist uns nicht klar und wir bitten Sie die Einsparungen durch Ihre Krankenkasse nicht mit uns sondern mit dieser zu besprechen.
Wir müssen unsere Sprechstundenplanung an die Rahmenbedingungen anpassen. Stand unsere Sprechstunde bis 2023 20 Jahre lang 36 Stunden in der Woche für Kassenpatienten zur Verfügung, haben wir dies 2023 reduziert und werden die Sprechstundenzeiten 2027 weiter reduzieren müssen. Dadurch verlängern sich die Wartezeiten auf Termine.
Wir bedauern diese Entwicklung sehr.
Unser Ziel bleibt es, die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen und eine gute medizinische Versorgung sicherzustellen.
Vielen Dank für Ihr Verständnis.